
Dr. Larry Johnson ist der Gründer des Horizon Project, das die viel beachtete Horizon-Report-Reihe herausbringt, die von über einer Million Bildungsexperten in mehr als 90 Ländern rezipiert wird. Als Chief Executive Officer des New Media Consortium ist Larry Johnson für das Horizon Project und den Horizon Report federführend zuständig. Das Multimedia Kontor Hamburg sprach mit ihm im Sommer 2011 über seine Prognosen und Wünsche für die Zukunft.
Lieber Larry Johnson, was ist Ihre Prognose für den 2012 Horizon Report: von welchen Trends und Technologien erwarten Sie, dass sie – vielleicht erstmalig – in den Report aufgenommen werden?
Larry Johnson: Es ist natürlich noch etwas zu früh, um über Ergebnisse für 2012 zu berichten, aber ich denke, dass einige der Schlüsseltrends sich bestimmt fortsetzen werden. Die Menschen werden weiterhin zunehmend erwarten, dass sie zeit- und ortsunabhängig arbeiten, lernen und studieren können – und die Arbeitswelt gestaltet sich immer globaler und kollaborativer. Was einzelne Technologien angeht, so werden das iPad und Neuzugänge in diesem Segment wie das TouchPad von Hewlett Packard unseren Umgang mit mobilen Endgeräten neu definieren. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Pads in den Report 2012 aufgenommen werden.
Und welche Entwicklungen oder Themen beschäftigen Sie derzeit im Horizon Project selbst?
Larry Johnson: Es passiert so viel im Horizon Project, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll! Wir haben gerade den Horizon Report: K12 Edition herausgebracht, der den Bericht im neuen Format präsentiert Wir haben eine Zusammenarbeit mit JISC, dem Joint Information Systems Committee in Großbritannien, begonnen, um für deren Hochschulsektor Forschungen im Horizon Project durchzuführen. Die Ergebnisse sollen im September vorliegen. Außerdem haben wir vor Kurzem einen neuen Regionalbericht für Afrika angekündigt, den wir im Mai 2012 herausbringen möchten. Und dann gibt es noch großartige Folgeprojekte wie das Toolkit für die K12-Ausgabe des 2011 Horizon Report, das das Consortium for School Networking entwickelt hat.
Der Horizon Report hat sich zu einer bekannten und einflussreichen Publikation entwickelt. Inwieweit stellen Sie fest, dass Hochschulen ihre technologie- bzw. medienbezogene Planung mittlerweile schon am Horizon Report orientieren?
Larry Johnson: Das ist eine sehr interessante Frage. Ich vermute, es gibt durchaus einige Universitäten und Schulen, die sich aufgrund des Horizon Report intensiver mit neuen Tools beschäftigen. Aber größtenteils wird er für die strategische Planung eingesetzt. Der Report dient Bildungseinrichtungen als Fahrplan für die Erkundung neuer Technologien und erleichtert es ihnen, sich als „Leader“ oder „Follower“ einer Schlüsseltechnologie zu positionieren. Bildungseinrichtungen, die „Leader“ sein wollen, werden sich den langfristigen Zeithorizont von vier bis fünf Jahren genauer anschauen, während diejenigen, die einfach nur mit den Entwicklungen schritthalten wollen, sich mehr am Einjahreshorizont orientieren. In jedem Fall bietet der Report Entscheidungsträgern einen Informationsvorsprung.
Wie sieht denn eigentlich der Zeithorizont für das Horizon Project selbst und für den Report aus? Sind Sie ausfinanziert – oder aber auf der Suche nach weiteren Partnern, wie Hewlett Packard, die bereits 2011 die Erstellung des Horizon Report unterstützt haben?
Larry Johnson: Das Horizon Project ist eine Herzensangelegenheit, und das NMC will den Horizon Report auf langfristiger Basis weiterführen. Wir haben hart daran gearbeitet, Werkzeuge und Prozesse zu entwickeln, um die Aktivitäten voranzubringen, mit anderen zu teilen und stets die höchste Effizienz sicherzustellen – alles mit dem ausdrücklichen Ziel, diese Arbeit zu verstetigen. Gleichzeitig konnten wir durch Unterstützung von Partnern wie Hewlett Packard unsere Aktivitäten ausweiten und einige Schritte weiter gehen, und wir sind ausgesprochen dankbar für diese Unterstützung. Nächstes Jahr wird das Projekt zehn Jahre alt, und wir freuen uns darauf, eines Tages seinen zwanzigsten Geburtstag zu feiern. Die Arbeit wird mit jedem weiteren Jahr immer wertvoller, und wir begrüßen Gespräche mit potenziellen Partnern.
„Last but not least“ – was möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben?
Larry Johnson: Bitte macht weiter mit der großartigen Arbeit, die Ihr leistet und hört nie auf zu experimentieren, zu lernen und zu innovieren!
Dieses Interview wurde vorab im Rahmen des Beitrags „Das Horizon Project – Bildungsnavigator Horizon Report nennt Trends von Morgen“ zum eLearning Jahrbuch 2012 veröffentlicht.