Vom Web 2.0 zum Virtuellen Wissensraum: Moderne, interaktive Lehr-/Lernumgebungen...

 

Vom Web 2.0 zum Virtuellen Wissensraum: Moderne, interaktive Lehr-/Lernumgebungen...

Unter den Begriffen Social Software oder auch Web 2.0. ist seit wenigen Jahren ein Trend hin zu einer neuen Klasse Semantik-verarbeitender Systeme im Web zu beobachten. Diese sind zugleich hochgradig kooperative (koaktive) Systeme und damit für die Erforschung kooperativer Systeme im Fachgebiet CSCW von hohem Interesse. Mit dem Bookmarking-Dienst Delicious, dem Rezessionswerkzeug für wissenschaftliche Artikel Technorati oder dem Bilderdienst Flickr entwickeln sich Werkzeuge in rasanter Weise, welche soziale bottom up-Strategien der Wissensstrukturierung durch Metadaten in Form so genannter Tags nutzen, um Wissen durch die Nutzer selbst strukturierbar zu gestalten. Dies geschieht zunächst recht unabhängig von der Uridee des Semantic Web von Tim Berners-Lee und setzt auf soziale Effekte, die Vander Wal als Folksonomy bezeichnet. In Folksonomies findet das gemeinsame Strukturieren von Wissen ohne die Notwendigkeit der Entwicklung eines gemeinsamen Vokabulars wie in ontologischen Verfahren oder Metadatensätzen üblich statt. Web 2.0-Anwendungen heben sich weniger durch einzelne Community-basierte Konzepte oder neue technologische Grundlagen (Webservices, AJAX) von bereits erforschten kooperativen Web-Anwendungen ab, das Neue liegt vielmehr im Erreichen einer kritischen Masse von Nutzern in verschiedenen Anwendungsbereichen, welche Web 2.0-Anwendungen zu Massenphänomenen des Webs von heute und morgen machen. Gleichzeitig gelingt es erstmals in Ansätzen neue Formen der Lokalisierung und Kontextualisierung des Nutzers im medialen Handeln zu realisieren und sich damit Kernfragen mobiler, kooperativer Systeme zu nähern. Entsprechend steht die Erforschung von Werkzeugen der computergestützten kooperativen Zusammenarbeit und des Lernens (CSCW/L) vor vielfältigen neuen Herausforderungen: Mit der wachsenden Akzeptanz der Nutzer für die wachsenden Möglichkeiten webbasierter kooperationsunterstützender Anwendungen entstehen mannigfaltige neue Nutzungsszenarien hochgradig vernetzter Dienste-orientierter CSCW-Systeme. Service-orientierte kooperative Systeme beziehen nicht länger kooperationsunterstützende Möglichkeiten wie Koordination, Kommunikation, Dokumentenverarbeitung oder das gemeinsame Strukturieren von Informationen auf einen einzelnen Server, vielmehr gilt es medientheoretische Konzepte und Strukturen einer Server-übergreifenden Zusammenarbeit zu entwerfen. Hierbei werden Dienste flexibel in Abhängigkeit von verschiedenen Kontexten der Nutzung kombiniert; und auch der Kontext der Nutzer selbst wird aktiv mit einbezogen.

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