
Hochschulcontrolling mit CM-Systemen
Die primäre Aufgabe einer Hochschule ist die Pflege und Entwicklung der Wissenschaften in den Bereichen Forschung, Lehre und Studium. Neben dieser recht vagen Zielvorgabe werden im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen wie der Globalisierung bzw. der damit einhergehenden Verstärkung des Wettbewerbs der verschiedenen Standorte immer präzisere Forderungen an die „Wissenschaftsdienstleister“ der deutschen Hochschulen gestellt: z.B. Berufsorientierung der Studieninhalte, verschärfte Leistungsorientierung und höhere Effizienz des Studiums.
Gleichzeitig schränken knapper werdende finanzielle Ressourcen der öffentlichen Hand - der Hauptfinanzier der Hochschulen - die Handlungsmöglichkeiten erheblich ein.
Politik der öffentlichen Hand
Einen Ausweg aus diesem Dilemma von höheren Leistungsanforderungen bei geringerer Finanzausstattung soll ein intensiverer Wettbewerb der deutschen Hochschulen um Studierende und Geld darstellen. Eine „leistungsbezogene Finanzierung“ der Hochschulen durch die öffentliche Hand soll diese zu einer effektiveren Nutzung der ihnen zur Verfügung gestellten Mittel animieren. Oder pointierter formuliert: „Produziere mehr und bessere Wissenschaft, dann bekommst Du auch mehr Geld.“
Wie aber erhält man die Informationen über dieses „Mehr“ (und dessen Qualität), um sie dann den Informationen über die eingesetzten finanziellen Mittel gegenüberzustellen? Und wie bewertet man diese Informationen?
Aufbau eines Informationspools
In den Hochschulen erfordert dies zuerst den Aufbau eines Informationspools, der alle ihre Prozesse in Forschung, Lehre und Studium verwaltet und deren Resultate dokumentiert. Derartige Systeme, auch als „Campus-Management-Systeme“ bezeichnet, werden mit den Methoden der modernen Datenverarbeitung aufgebaut und erlauben die Administration der genannten hochschulinternen Prozesse. Hier sollten sich die Informationen zum Studium wie z.B. Anzahl der Studierenden, Prüfung- bzw. Studiumserfolg, Studiendauer etc. für den Statistiker finden lassen. Ebenso sollten auch die Prozesse der Lehre wie z.B. Anzahl der erfolgreichen Besucher einer Lehrveranstaltung abgebildet sein. Dies gilt ebenso für die Prozesse der Forschungstätigkeit wie z.B. Anzahl der Publikationen/Patente, Beteiligung an internationalen Projekten/Tagungen, wissenschaftliche Preise etc.). Darüber hinaus sollte ein ideales Campus-Managementsystem so strukturiert sein, dass die entsprechenden Finanzflüsse aus dem Finanzverwaltungssystem den jeweiligen Elemente der Hochschulstruktur (Fakultäten, Institute etc.) zu zuordnen sind.
Ermittlung von Kennzahlen
Erst aus der Gegenüberstellung des finanziellen Aufwands und des Ergebnisses des Hochschulprozesses kann eine Kennzahl ermittelt werden, die die Effektivität des Finanzeinsatzes für den jeweiligen Prozess abbildet. Damit wird sowohl eine gewisse Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen hochschulinternen Strukturen als auch zwischen Hochschulen möglich. Für die jeweiligen Hochschulen bedeuten derartige Informationen eine definierte Übersicht ihrer eigenen Leistungen. Sie beschreiben ihre Position im Wettbewerb mit anderen Hochschulen um die oben genannten Faktoren Geld und Studierende.
Dschungel der Prozesse
Leider sieht die Realität an vielen Hochschulen anders aus. Zwar existieren diverse Systeme zur Verwaltung der Prozesse im Studium (Prüfungsverwaltung etc.), aber schon die Bewertung der Lehre verirrt sich im Dschungel diverser schwer vergleichbarer Evaluationsprozesse. Daten zur Forschungsleistung liegen, nach unterschiedlichsten Kriterien abgebildet, in nicht vergleichbaren Kategorien vor (Welche Publikation ist wie zu bewerten?) vor. Und die Abbildung der hochschulinternen Finanzflüsse wie etwa der Personalkosten erfolgt allzu oft nach Landestellenplan und nicht nach der realen Tätigkeit in der Organisations-/Tätigkeitszuordnung der internen Hochschulstruktur. Die Zusammenstellung der benötigten Informationen kann dann für die zuständige Hochschulabteilung zur sprichwörtlichen „Sisyphusarbeit“ inklusive „Tantalusqualen“ werden.
Controlling in Hamburg
Aber auch die Schwierigkeiten nach Implementierung eines Campus - Management sollten nicht unterschätzt werden. Derzeit unterstützt das MMKH die Universität Hamburg, die seit dem Wintersemester 2006/2007 das Campus Managementsystem „STiNE“ eingeführt hat, beim Aufbau eines hochschulinternen Controllings sowie der Implementierung eines Landescontrollingsystems.
Hierbei wird deutlich wie schon der Aufbauprozess eines solchen Systems zur Festlegung vieler hochschulinterner Prozesse dient, die im bisherigen „informellen“ System Hochschule nicht definiert waren.
Und die Öffentlichkeit, die Gesellschaft, die Politik? Sie ist auch mit der Kenntnis der Kennzahl für die Kosten eines Biologiestudenten an der Hochschule X im Vergleich zur Hochschule Y nicht aus der Pflicht entlassen zu definieren, wie viel ihr die Wissenschaft in der eingangs erwähnten Aufgabenstellung an die Hochschulen „zum Nutzen der Allgemeinheit“ wert ist.
Literatur:
Nüsslein, M. A.: „Inhaltliche Gestaltung eines Data Warehouse-Systems am Beispiel einer Hochschule“, Bayr. Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung, Monographien: Band 68, München 2003
Autor: Andreas Starke
Andreas Starke ist Mitarbeiter für Statistik/Controlling im Projekt eCampusII beim Multimedia Kontor Hamburg.
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